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Drehbuch schreiben lernen: Gemeinsam eine Filmstory entwickeln

Wie entsteht aus einer ersten Idee eine tragfähige Filmgeschichte? In meinem Drehbuch-Workshop entwickeln wir gemeinsam eine Story – von der Hauptfigur über Konflikte und Wendepunkte bis zum möglichen Ende. Statt sofort Szenen und Dialoge zu schreiben, sammeln wir zunächst Ideen, spielen verschiedene Möglichkeiten durch und versuchen, daraus Schritt für Schritt eine Geschichte zu formen. Eine Geschichte, die das Potenzial hätte, das Publikum später vielleicht sogar über eine ganze Spielfilmlänge oder mehrere Serienfolgen hinweg zu fesseln. Hierzu verwende ich u.a. meine »Pinctada-Methode«, meinen »KWWR«-Merksatz sowie »9 Story Cards«.

Ein gewagtes Experiment

Am 14. November 2026 wage ich einen spannenden Feldversuch. Etwas, das ich in dieser Form noch nie unternommen habe. Und bei dem ich nicht garantieren kann, dass es gelingt.

Ich werde einen Klassenraum voller Jugendlicher in einen Writers’ Room verwandeln. Gemeinsam wollen wir in nur 45 Minuten eine Geschichte entwickeln, aus der später einmal ein Drehbuch und vielleicht sogar ein Film werden könnte. Und ganz nebenbei werden wir lernen, aus welchen Elementen sich eine starke Filmstory zusammensetzt und wie man mit diesen Elementen umgeht.

Ob wir das schaffen?

Keine Ahnung.

Aber genau das macht es spannend.

Das »Zusammen-zur-Filmstory-Experiment«

Anlass ist der 3. Aktionstag Berufliche Bildung der Glasfachschule NRW in Rheinbach am Samstag, 14. November 2026, von 9 bis 15 Uhr.

Bei dem Aktionstag können sich insbesondere Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse und ihre Eltern über berufliche Perspektiven informieren und bei verschiedenen Mitmachangeboten selbst aktiv werden.

Voraussichtlich werde ich meinen Drehbuch-Workshop zweimal durchführen, einmal vormittags, einmal nachmittags, sodass möglichst viele Jugendliche in den Genuss kommen, etwas über die Drehbuch-Entwicklung lernen können. Genaue Zeitfenster gebe ich hier noch bekannt.

[ Plakat des Rhein-Sieg-Kreises zum Aktionstag. Allgemeine Infos hier. ]

Fun fact: An der Glasfachschule habe ich dazumal meine Berufsausbildung zum »Gestaltungstechnischen Assistenten« absolviert, Schwerpunkt Grafik. Heute gibt es dort auch einen Bildungsweg in Medien/Kommunikation – und da komme ich ins Spiel.

Herzlichen Dank an Schulleiter Jochen Röbers und Lucas Pfingsten, den Fachlehrer für Film, Video, audiovisuelle Medien, dass ich die Möglichkeit erhalte, zu meinem Lieblingsthema zu unterrichten: dem Entwickeln von Geschichten!

Liebe Teilnehmende,

nach einer kurzen Einführung seid Ihr gefragt: Ihr werdet zu Autorinnen und Autoren, übernehmt die Verantwortung für einzelne Story-Elemente und entwickelt mit mir gemeinsam Figuren, Konflikte und überraschende Wendungen.

Ihr braucht keine Vorkenntnisse. Nur Neugier, Aufmerksamkeit und Lust, gemeinsam eine Geschichte zu erfinden.

Und selbst wenn am Ende noch keine verfilmbare Story steht: Ihr werdet erfahren haben, welche Zutaten eine funktionierende Filmgeschichte braucht – und wie man mit ihnen spielt.

Was ist ein Writers’ Room?Und wie funktioniert unser Experiment?

Ein Writers’ Room ist ein kreativer Arbeitsraum, in dem mehrere Autorinnen und Autoren gemeinsam Geschichten entwickeln.

Besonders bei Fernsehserien ist diese Arbeitsweise verbreitet: Unter der Leitung eines Headwriters oder Showrunners werden Ideen gesammelt, diskutiert, verworfen und weiterentwickelt. Steht die gemeinsame Story, übernehmen die Autorinnen und Autoren häufig die Drehbücher für einzelne Serienfolgen.

Ich habe selbst schon als Storyliner und leitender Story Editor in einem Writers’ Room gearbeitet und weiß, wie produktiv – und manchmal chaotisch – das gemeinsame Geschichtenerfinden sein kann.

Der Story Editor (auch: Headwriter oder Headautor) übernimmt hierbei die Aufgabe, die Entwicklung der Storys anzuleiten und den kreativen Prozess zu steuern.

Am Ende der gemeinsamen, kreativen Arbeitsphase (bei UFA war es je eine Woche für sechs Folgen Unter Uns (RTL)) verlassen die Autor:innen den Writers‘ Room und schreiben je Ihre Folge/Storylines. Die fertiggeschriebenen Folgen reichen sie dann dem Story Editor ein, der sie liest, prüft, anpasst, eventuell noch etwas umschreibt und dann auch dem Fernsehsender, also dem Auftraggeber, präsentiert und ihm gegenüber verantwortet.

[ Es klingt oft so, als seien Writers‘ Rooms eine neue Erfindung. Dabei ist arbeitsteilige Story-Arbeit beinahe so alt wie der Film selbst. Das Bild zeigt Stummfilmkomiker Buster Keaton (Mitte) mit seinem Gag-Autoren-Team im Jahre 1923, bestehend aus (von l. nach r.) Joe Mitchell, Clyde Bruckman, Jean Havez und Eddie Cline. ]

Die erste Phase der Arbeit im Writers‘ Room, das gemeinsame Storyline-Entwickeln im Team, werden wir zusammen ausprobieren. Nur dass wir die meisten von uns keine erfahrenen Serienautoren sind, sondern eine Gruppe neugieriger Menschen, die gemeinsam eine Filmgeschichte erfinden wollen.

Und so funktioniert unser Experiment:

Nach einem kurzen Input über meine Methode und die wichtigsten Zutaten einer Geschichte werde ich neun verschiedene Story-Cards an einzelne Teilnehmende oder kleine Teams verteilen. Jede Karte behandelt ein dramaturgisches Element – etwa Figuren, Konflikte, Wendepunkte oder Spannung.

Ihr bekommt ein paar Minuten, um Euch mit Eurem Element vertraut zu machen. Ihr behaltet es im Hinterkopf und beschäftigt Euch beim gemeinsamen Entwickeln mit Eurem speziellen Thema, wenn wir dann loslegen.

Ich übernehme die Rolle des Headwriters: Ich werde moderieren, Fragen stellen und die verschiedenen Expertenteams aufrufen. Gemeinsam spielen wir Ideen durch, verändern sie, verwerfen manche und entwickeln andere weiter.

Dabei kann eine Idee für einen Wendepunkt plötzlich unsere Hauptfigur verändern. Oder ein neuer Schauplatz bringt uns auf einen ganz anderen Plot. Im kreativen Pingpong werden wir versuchen, unsere Ideen zu einer Geschichte zusammenzufügen.

Wichtig: Wir haben nur 45 Minuten. Deshalb werden manche Teams häufiger zu Wort kommen als andere. Vielleicht kommen wir gar nicht einmal dazu, über jedes einzelne Story-Element zu sprechen. Nehmt es nicht übel! Der kreative Prozess ist nun einmal nicht vollumfänglich planbar. Entscheidend ist, dass Ihr aktiv mitdenkt und auf diese Weise bestimmt etwas lernt.

Falls Ihr keine Story Card erhalten hat oder Euch die anderen Story-Elemente interessieren: Weiter unten auf dieser Seite findet Ihr alle neun Story-Cards zum Nachlesen – auch die, die Ihr selbst nicht bekommen habt.

Drehbuch schreiben lernen: Erst die Story, dann die Details

Bevor wir ein Drehbuch schreiben, brauchen wir eine Geschichte, die funktioniert. Wer sind unsere Figuren? Was wollen sie? Welche Schwierigkeiten müssen sie überwinden? Und was verändert sich dabei?

Je klarer wir diese Fragen beantworten können, desto leichter fällt es später, daraus einzelne Szenen und Dialoge zu entwickeln.

Aber woher kommt überhaupt die erste Idee?

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Meine »Pinctada-Methode«: Wie aus einem Thema oder einer Schwäche eine Filmgeschichte entsteht

Ich beginne gern mit einem Sandkorn. Mit etwas, das stört, schmerzt oder uns einfach nicht loslässt.

Diesen von mir entwickelten Ansatz nenne ich die Pinctada-Methode. Pinctada ist die wissenschaftliche Bezeichnung einer Gattung von Perlmuscheln. Dringt ein Fremdkörper in eine Muschel ein, kann sie ihn Schicht um Schicht mit Perlmutt umhüllen. So kann eine Perle entstehen.

Ganz ähnlich lässt sich eine Geschichte entwickeln: Aus einem kleinen Störgefühl, einer Frage oder einer schmerzhaften Erfahrung entsteht eine Idee. Diese Idee entwickeln wir Schicht um Schicht zu einer Filmgeschichte weiter.

Was stört Euch an der Welt?

Vielleicht gibt es etwas, das Euch aufregt, beschäftigt oder das Ihr verändern möchtet. Zum Beispiel:

  • Klimawandel und Umweltzerstörung
  • Mobbing und Ausgrenzung
  • Soziale Ungerechtigkeit und Armut
  • Leistungsdruck und die Angst, nicht gut genug zu sein
  • Schönheitsideale und der Einfluss von Social Media
  • Krieg, Gewalt und die Sehnsucht nach Frieden
  • Künstliche Intelligenz und die Frage, was uns als Menschen ausmacht
  • Vorurteile und Diskriminierung

Solche Themen lassen oft schon Bilder und Situationen vor unserem inneren Auge entstehen: eine Stadt, die im Hochwasser versinkt. Eine Schülerin, die von ihrer Klasse ausgeschlossen wird. Ein Roboter, der plötzlich eigene Gefühle entwickelt.

Vielleicht seht Ihr sogar schon erste Filmszenen vor Euch.

Was ist Euer persönliches Sandkorn?

Ihr könnt auch bei Euch selbst beginnen: bei einer Erfahrung, einer Sehnsucht, einer Schwäche, die Ihr kennt – oder einer Stärke, die Ihr an anderen bewundert.

Zum Beispiel:

  • Angst haben, die eigene Meinung zu sagen
  • Immer dazugehören wollen
  • Schnell eifersüchtig werden
  • Anderen nicht vertrauen können
  • Unbedingt gewinnen müssen
  • Sich nie entscheiden können
  • Einen Fehler nicht zugeben wollen

Auch daraus können Geschichten entstehen. Denn solche Schwächen und Sehnsüchte kennen wir alle – bei uns selbst oder bei anderen.

Wenn das äußere Thema auf die innere Schwäche trifft

Besonders spannend wird es, wenn wir beide Sandkörner miteinander verbinden: ein Problem in der Welt und eine Schwäche unserer Hauptfigur.

Stellt Euch einen Jugendlichen vor, der sich nicht traut, anderen zu widersprechen. Nun gerät er in eine Situation, in der seine Freunde einen Mitschüler mobben.

Er möchte dazugehören. Gleichzeitig weiß er, dass das Verhalten seiner Freunde falsch ist.

Das Thema Mobbing liefert uns eine äußere Konfliktsituation. Die Angst, selbst ausgeschlossen zu werden, macht daraus ein persönliches Problem unserer Hauptfigur.

Was wird er tun? Schweigt er? Macht er mit? Oder findet er den Mut, sich gegen seine Freunde zu stellen?

Hier beginnt eine Geschichte: Ein äußerer Konflikt fordert eine Figur heraus, ihre innere Schwäche zu überwinden.

Und wenn Ihr diese Geschichte weiterentwickelt, kommen Schicht um Schicht neue Ideen hinzu: Figuren, Hindernisse, Entscheidungen, Wendepunkte. Aus unserem Sandkorn wird nach und nach eine Perle.

Mein Tipp: Sucht Euch etwas, das Euch wirklich etwas bedeutet. Denn Eure Erfahrungen, Fragen und Eure eigene Sicht auf die Welt können aus einer bekannten Idee etwas ganz Besonderes machen.

Drehbuch schreiben: Was braucht eine funktionierende Story?

Eine gute Idee ist noch keine Geschichte. Damit daraus eine spannende Filmstory wird, benötigen wir Figuren, die etwas wollen, Konflikte, die sie herausfordern, und Ereignisse, die etwas verändern.

Für eine klassische Filmgeschichte brauchen wir also zwei Bögen, die zusammengehören:

  • Den Figurenbogen (Character Arc): Was verändert sich in unserer Hauptfigur? Welche Schwäche muss sie überwinden? Was lernt sie – oder woran scheitert sie?
  • Den Handlungsbogen (Plot): Was passiert? Welches Ziel verfolgt unsere Hauptfigur? Welche Hindernisse muss sie überwinden? Wie geht die Geschichte aus?

Beide Bögen beeinflussen einander. Der äußere Konflikt stellt die Figur vor Herausforderungen, an denen sie innerlich wachsen kann. Umgekehrt können ihre Schwächen und Entscheidungen die Handlung in immer neue Richtungen treiben.

»KWWR«: Vier Zutaten für eine spannende Geschichte

Ich verwende gern eine meine einfache Merkformel: »KWWR« – Konflikt, Wendung, Wandlung, Rätsel.

  • Konflikt: Jemand will etwas erreichen, aber andere Menschen, äußere Umstände oder die eigenen Schwächen stehen im Weg.
  • Wendung: Etwas verändert plötzlich die Richtung der Geschichte. Ein Plan scheitert, ein Geheimnis fliegt auf oder aus einem Freund wird ein Feind.
  • Wandlung: Die Hauptfigur verändert sich durch ihre Erlebnisse – oder scheitert, weil sie sich nicht verändern kann.
  • Rätsel: Eine offene Frage oder ein Geheimnis macht uns neugierig. Wir wollen wissen, was dahintersteckt.

Diese vier Zutaten müssen nicht immer gleich stark vertreten sein. Aber sie helfen uns, eine Geschichte zu entwickeln, die das Publikum interessiert und mitreißt.

Erst entwickeln, dann schreiben

Beim Drehbuchschreiben wird die Geschichte normalerweise Schritt für Schritt ausgearbeitet: von der ersten Idee über eine kurze Inhaltsbeschreibung bis zum ausführlichen Drehbuch mit Szenen und Dialogen.

Das ist auch eine Frage der Arbeitsökonomie: Warum sollten wir schon seitenlange Dialoge schreiben, wenn wir noch gar nicht wissen, ob unsere Geschichte funktioniert?

Deshalb werden wir bei unserem Experiment kein Drehbuch schreiben, sondern gemeinsam die Grundlage dafür entwickeln: eine möglichst tragfähige Story.

Und wie bringen wir diese Zutaten in eine sinnvolle Reihenfolge? Dafür gibt es dramaturgische Modelle. Eines davon schauen wir uns jetzt an.

Drehbuch-Aufbau einfach erklärt: Der klassische Storybogen

Wie bringen wir unsere Ideen in eine spannende Reihenfolge? Dafür gibt es verschiedene dramaturgische Modelle. Sie sind wie Farben in einem Malkasten: Wir können sie verwenden, kombinieren oder bewusst etwas ganz anderes ausprobieren.

Für unser Experiment orientiere ich mich an einem klassischen Drei-Akt-Modell, das sich an Syd Fields Drehbuch-Paradigma und Gustav Freytags fünfaktige Spannungspyramide anlehnt.

Erster Akt: Die Welt gerät in Bewegung

Am Anfang lernen wir unsere Hauptfigur und ihre Welt kennen. Was ist ihr Alltag? Was beschäftigt sie? Und warum sollten wir uns für sie interessieren?

Dann passiert etwas Entscheidendes: Ein Wunsch entsteht oder ein Ereignis oder Gegenspieler bringt die vertraute Welt durcheinander. Unsere Hauptfigur bekommt ein Ziel, das sie verfolgen wird.

Das ist der erste große Wendepunkt (Plot Point 1). Jetzt kommt die eigentliche Geschichte in Gang.

Zweiter Akt: Der Konflikt spitzt sich zu

Unsere Hauptfigur verfolgt ihr Ziel, aber Widerstände – etwa gegnerische Kräfte oder Personen – machen ihr das Leben schwer. Dabei sollte etwas auf dem Spiel stehen: Die Figur könnte etwas verlieren, das ihr sehr wichtig ist. Das nennen wir Fallhöhe.

Und die Schwierigkeiten sollten sich steigern: Immer mehr steht auf dem Spiel, die Konflikte werden verwickelter und die Hindernisse größer.

Dabei sind zwei grundsätzliche Verläufe möglich:

  • Erst geht es bergauf: Die Figur hat Erfolge und scheint ihrem Ziel immer näherzukommen. Doch dann wendet sich das Blatt und die Schwierigkeiten nehmen zu.
  • Erst geht es bergab: Die Figur erlebt Niederlagen und gerät zunehmend unter Druck. Doch plötzlich eröffnet sich eine Chance und es geht wieder aufwärts.

Der Umschwung in der Mitte heißt Midpoint.

Gegen Ende des zweiten Aktes folgt ein weiterer großer Wendepunkt, Plot Point 2: Eine unerwartete Wendung stellt die bisherige Entwicklung noch einmal auf den Kopf. Ein scheinbar sicherer Sieg gerät plötzlich in Gefahr – oder eine fast aussichtslose Situation bietet einen letzten Hoffnungsschimmer. Die Spannung steigt vor dem Finale noch einmal.

Dritter Akt: Die Entscheidung

Jetzt muss sich zeigen, ob unsere Hauptfigur ihr Ziel erreicht.

Vielleicht überwindet sie ihre Schwäche und gewinnt. Vielleicht scheitert sie an ihr. Oder sie erkennt, dass etwas anderes viel wichtiger ist als ihr ursprüngliches Ziel.

Am Ende steht eine neue Situation – ein neues Normal. Und wir erkennen, was sich verändert hat.

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Wichtig: Eine Geschichte wird nicht dadurch gut, dass sie brav einem Schema folgt. Aber ein solches Modell kann uns helfen, den Überblick zu behalten und unsere Ideen zu ordnen. Das dargelegte Modell ist die Kombination von (nur) zwei (klassischen) Modellen von vielen.

9 Story-Cards: Unser Werkzeugkasten für eine spannende Filmgeschichte

Jetzt kennt Ihr den klassischen Storybogen. Aber womit füllen wir ihn? Wie erfinden wir interessante Figuren, überraschende Wendungen, spannende Konflikte und eine Welt, in der all das stattfinden kann?

Genau dafür gibt es unsere neun Story-Cards.

Jede Karte behandelt ein wichtiges Element der Drehbuchentwicklung und enthält Tipps, Beispiele und Fragen, die Euch auf neue Ideen bringen können.

Beim Zusammen-zur-Filmstory-Experiment an der Glasfachschule Rheinbach werden einige von Euch jeweils eine dieser Karten bekommen – allein oder als Team. Damit werdet Ihr zu Expertinnen und Experten für Euer Story-Element und könnt Eure Ideen in unsere gemeinsame Geschichte einbringen.

Die Story-Cards sind keine Checkliste, die wir der Reihe nach abarbeiten müssen. Oft führt eine Idee für eine Figur zu einem neuen Konflikt, ein überraschender Wendepunkt zu einem anderen Ende oder ein ungewöhnlicher Schauplatz zu einer völlig neuen Geschichte.

Hier findet Ihr alle neun Karten zum Nachlesen, Ausprobieren und Weiterdenken. Egal, ob Ihr beim Experiment dabei seid oder selbst eine Filmgeschichte entwickeln möchtet.

Die neun Story-Cards im Überblick

  1. Figuren
  2. Identifikation & Neugier
  3. Konflikte
  4. Welt & Setting
  5. Genre & Genremix
  6. Wendepunkte
  7. Perspektive
  8. Spannungsmittel
  9. Das Ende

01. Figuren

02. Identifikation & Neugier

03. Konflikte

04. Welt & Setting

05. Genre & Genremix

06. Wendepunkte – plötzlich ist alles anders!

07. Perspektive

08. Spannungsmittel

09. Das Ende

Was kommt am Ende dabei heraus?

Jetzt kennt Ihr die wichtigsten Zutaten für eine spannende Filmgeschichte. Ihr wisst, wie aus einer kleinen Idee – vielleicht nur einem Gedanken, einem Ärgernis oder einer Schwäche – der Keim für eine ganze Story werden kann. Und Ihr habt gesehen, wie Figuren, Konflikte, Wendepunkte und all die anderen Elemente zusammenspielen.

Genau darum geht es bei unserem Experiment: Ihr sollt erleben, wie wir aus einem ersten Funken Schritt für Schritt eine Filmgeschichte entwickeln. Welche Zutaten brauchen wir? Was passiert, wenn wir sie verändern, miteinander kombinieren oder eine Idee plötzlich in eine ganz andere Richtung weiterspinnen?

Ob wir es in 45 Minuten tatsächlich schaffen, gemeinsam eine richtig gute Story auf die Beine zu stellen? Ich weiß es nicht. Aber wenn Ihr hinterher versteht, wie aus einer Idee eine Geschichte wachsen kann, und Lust habt, es selbst auszuprobieren, hat sich das Experiment schon gelohnt.

Ich hoffe natürlich, dass es gelingt! Und nach dem Aktionstag erzähle ich Euch hier, ob unser Experiment funktioniert hat – und welche Filmgeschichte dabei herausgekommen ist.

Drückt uns die Daumen, dass es ein spannendes und erfolgreiches Experiment wird, bei dem alle einiges lernen und gemeinsam reichlich Spaß haben!

Euer

FAQ – Häufige Fragen zum Drehbuchschreiben und zu Workshops

Wie fängt man an, ein Drehbuch zu schreiben?

Am besten beginnt Ihr nicht mit der ersten Dialogzeile, sondern mit dem Keim einer Filmgeschichte. Dafür nutze ich meine Pinctada-Methode: Wir verbinden ein Thema, das uns beschäftigt – etwa Mobbing oder Ungerechtigkeit –, mit einer persönlichen Schwäche unserer Hauptfigur, zum Beispiel der Angst, sich gegen andere zu stellen. Wo das äußere Problem auf den inneren Konflikt trifft, beginnt eine Geschichte zu wachsen.

Dann überlegen wir, was unsere Figur erreichen will, was ihr im Weg steht und wie sie sich dabei verändern könnte. So entsteht Schritt für Schritt eine Story, aus der Ihr später Szenen und Dialoge für ein Drehbuch entwickeln könnt.

Kann man Drehbuchschreiben lernen, ohne Vorkenntnisse zu haben?

Ja, Ihr könnt Drehbuch schreiben lernen, ohne Vorkenntnisse zu haben. Entscheidend sind Neugier, Fantasie und die Bereitschaft, eigene Ideen auszuprobieren. Ein verständlicher Drehbuch-Aufbau, interessante Figuren und ein klarer Konflikt helfen Euch beim Einstieg. Wie das funktioniert, könnt Ihr in unserem gemeinsamen Story-Experiment erleben.

Was ist der Unterschied zwischen einer Filmidee und einem Drehbuch?

Eine Filmidee beschreibt, worum es in einer Geschichte gehen könnte. Ein Drehbuch zeigt, wie diese Geschichte auf der Leinwand erzählt wird. Es enthält die einzelnen Szenen, die Handlungen der Figuren und ihre Dialoge.

Dazwischen liegt ein wichtiger Schritt: die Storyentwicklung. Dabei überlegen wir, wie sich die Handlung aufbaut, welche Wendepunkte es gibt und wie die Geschichte endet.

Wie erfindet man interessante Figuren für ein Drehbuch?

Interessante Filmfiguren haben ein Ziel, eine eigene Sicht auf die Welt und möglichst einen Widerspruch. Vielleicht ist jemand nach außen mutig, hat aber große Angst vor Ablehnung.

Besonders spannend wird es, wenn eine Figur etwas unbedingt erreichen will, dabei aber übersieht, was sie wirklich braucht. Überlegt also nicht nur, was Eure Figur will, sondern auch, warum sie es will und was sie daran hindert.

Wie erzeugt man Spannung in einer Filmgeschichte – auch ohne Action?

Spannung entsteht, wenn das Publikum wissen möchte, wie etwas ausgeht. Ihr könnt früh eine Gefahr andeuten, die Figuren vor eine schwierige Entscheidung stellen oder dem Publikum ein Geheimnis verraten, das die Figuren noch nicht kennen.

Auch überraschende Wendungen helfen – besonders dann, wenn Ihr sie vorher geschickt vorbereitet habt.

Wie findet man ein gutes Ende für eine Filmgeschichte?

Ein gutes Filmende beantwortet nicht nur die Frage, ob die Hauptfigur ihr Ziel erreicht. Es zeigt auch, was die Ereignisse mit ihr gemacht haben.

Vielleicht erkennt sie ihren Fehler und verändert sich. Vielleicht hält sie an ihrer Schwäche fest und scheitert gerade deshalb. Überlegt Euch, welche Entscheidung Eure Figur am Schluss treffen muss – und was diese Entscheidung über Eure Geschichte erzählt.

Was tun, wenn man beim Drehbuchschreiben nicht weiterkommt?

Wenn Ihr beim Entwickeln Eurer Filmstory feststeckt, hilft oft ein Perspektivwechsel.

Fragt Euch: Was wäre, wenn die Hauptfigur plötzlich das Gegenteil von dem tut, was wir erwarten? Wenn ihr wichtigster Verbündeter zum Gegner wird? Oder wenn die Geschichte an einem ganz anderen Ort spielt?

Genau dafür nutzen wir unsere neun Story-Cards: Sie helfen uns, festgefahrene Ideen wieder in Bewegung zu bringen.

Was lernt man in einem Drehbuch-Workshop?

In einem Drehbuch-Workshop lernt Ihr, wie aus einer ersten Idee eine Filmgeschichte entstehen kann. Dazu gehören Figuren mit eigenen Zielen und Schwächen, spannende Konflikte, überraschende Wendungen und ein überzeugendes Ende.

In meinem 45-minütigen Story-Experiment konzentrieren wir uns auf die gemeinsame Entwicklung der Geschichte – nicht darauf, bereits ein fertiges Drehbuch zu schreiben.

Wie funktioniert gemeinsames Drehbuchschreiben im Writers’ Room?

In einem Writers’ Room entwickelt eine Gruppe gemeinsam Geschichten, wie es auch bei vielen Fernsehserien üblich ist. Die Beteiligten schlagen Figuren, Konflikte und Wendungen vor, greifen Ideen der anderen auf und entwickeln sie weiter.

Beim Experiment an der Glasfachschule NRW in Rheinbach nutzen wir dafür neun Story-Cards. Ich moderiere das Gespräch und versuche, aus Euren Einfällen einen gemeinsamen Handlungsbogen entstehen zu lassen.

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Ihr wollt noch tiefer ins Drehbuchschreiben einsteigen?

Viele Fachbegriffe aus der Dramaturgie und dem Storytelling erkläre ich in meinem Schonology-Storytelling-Lexikon – von der Drei-Akt-Struktur über den Plot Twist bis zum Worldbuilding.


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