Kokon-Animatic von Bernd Schon

»Kokon« – Science-Fiction-Coming-of-Age: Film, Animatic und Serie

Vom prämierten Drehbuch zur achtteiligen Sci-Fi-Serie

»THX 1138« {*} trifft auf »Children of Men« {*} und »I Am Mother« {*}: »Kokon« erzählt die Geschichte eines Mädchens, das in einer künstlich kontrollierten Welt aufwächst und entdeckt, dass seine bisherige Wirklichkeit auf einer Lüge beruht.

Der Science-Fiction-Coming-of-Age-Stoff entstand 2002 als prämiertes Kurzfilmdrehbuch.

Für eine erste audiovisuelle Umsetzung entwickelte ich für den geplanten Realfilm daraus ein Animatic, ein animiertes Storyboard. Inzwischen habe ich »Kokon« zu einer achtteiligen Science-Fiction-Serie weiterentwickelt.

»Kokon« – Die Geschichte

Die 16-jährige Tjara wächst in der Isolationsstation eines Krankenhauses auf. Ihre Welt ist streng kontrolliert: Sie kennt ausschließlich Mädchen und Frauen und weiß nicht einmal, dass es ein männliches Geschlecht gibt. Ihre wichtigsten Bezugspunkte sind eine Ärztin, Dr. Steiner, und das technische Krankenhaussystem, das sie seit ihrer Kindheit betreut.

Als Tjara in einer virtuellen Waldumgebung joggt – der Einstieg irritiert, weil sie mit geschlossenen Augen läuft und dessen ungeachtet mühelos einen Baumstamm auf dem Weg überspringt – und dem Jungen Mirk begegnet, gerät ihr Weltbild ins Wanken.

Sie beginnt nach Mirk zu suchen und stößt dabei auf ein Geheimnis: Offenbar haben ihre Ärztin und das technische System sie über grundlegende Dinge ihrer Existenz getäuscht.

Ihre Suche nach Mirk wird zur Suche nach ihrer eigenen Identität – und nach einer Wirklichkeit jenseits der Welt, in der sie aufgewachsen ist.

»Kokon« – Das Animatic

Ein Animatic ist ein animiertes Storyboard, das gezeichnete Einstellungen in eine zeitliche Abfolge bringt und sie mit einfachen Bewegungen, Sprache, Musik oder Sounddesign verbindet. Es macht Bilddramaturgie, Timing und Montage eines geplanten Films bereits vor dessen eigentlicher Produktion erfahrbar.

Für »Kokon« entstand so eine eigenständige audiovisuelle Fassung, in der Zeichnung, Bewegung, Schnitt und Klang die Geschichte gemeinsam erzählen.

Die Entstehung von »Kokon« – Drehbuchwettbewerb und Development

Das Drehbuch zu »Kokon« schrieb ich 2002 für einen Wettbewerb im Rahmen von movii – moving images & interfaces, einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Hochschulprojekt.

An der Initiative waren unter anderem die Fachhochschule Mainz, die Fachhochschule Trier, die Fachhochschule Brandenburg und die Fachhochschule Osnabrück sowie die Akademie für Bildende Künste der Johannes Gutenberg-Universität Mainz beteiligt.

»movii« entstand zu einer Zeit, als E-Learning an Hochschulen zunehmend an Bedeutung gewann. Ziel war die Entwicklung einer digitalen Lernumgebung für künstlerisch-gestaltende und medienbezogene Studiengänge, die auch Grundlagenwissen zu Film, Dramaturgie und Mediengestaltung vermitteln sollte. Das Projekt verband damit gestalterische Bildung mit neuen Formen digitaler Wissensvermittlung.

Eine zeitgenössische Beschreibung der Lernumgebung, ihrer didaktischen Konzeption und technischen Umsetzung findet sich in der Projektdokumentation »movii – moving images & interfaces« auf e-teaching.org.

Mit »Kokon« gewann ich den ausgeschriebenen Drehbuchwettbewerb. Anschließend begleitete mich der mehrfach ausgezeichnete Drehbuchautor Stephan Falk als Mentor durch die weitere Stoffentwicklung. Geplant war eine professionelle Verfilmung unter der Regie von Erica von Moeller. Nachdem die Finanzierung nicht mehr gesichert war, kam die Produktion allerdings bedauerlicherweise nicht zustande.

Vom Drehbuch zum »Animatic«

Für das Animatic überarbeitete ich das Drehbuch noch einmal grundlegend. Ich entwickelte eine Fassung, in der Tjara ihre Geschichte als Ich-Erzählerin aus dem Off schildert. Damit verlagerte sich die Erzählperspektive stärker auf ihre subjektive Wahrnehmung und ihr Erleben.

Anschließend zeichnete ich die einzelnen Einstellungen, kolorierte sie in Adobe Photoshop und animierte ausgewählte Bildelemente mit Adobe After Effects. In Adobe Premiere montierte ich die kolorierten und teils animierten Zeichnungen zu einer filmischen Sequenz.

Die Schauspielerin Natalie Schuh lieh Tjara ihre Stimme. Mein damaliger Studienkollege Gregor von Sivers entwickelte das Sounddesign, das den Bildern zusätzliche Atmosphäre und Lebendigkeit verleiht.

Das Animatic wurde damit mehr als eine Visualisierung des Drehbuchs: Es ist ein eigenständiges Experiment mit den erzählerischen Möglichkeiten von Bild, Stimme, Montage und Ton.

Vom Kurzfilm zur achtteiligen Science-Fiction-Serie

»Kokon« hat mich seit seiner ersten Drehbuchfassung nicht losgelassen. Was ursprünglich als Science-Fiction-Kurzfilm angelegt war, habe ich inzwischen zu einem Kurz-Exposé für eine achtteilige Serie weiterentwickelt.

Der Grundkonflikt ist geblieben: Eine junge Frau beginnt, die vermeintlichen Gewissheiten ihrer Welt infrage zu stellen. Einzigartig und ungewöhnlich ist ihre Perspektive, die Sicht einer jungen Frau, die all die Dinge, die für uns selbstverständlich sind: Das andere Geschlecht, Erwachsenwerden, Liebe, Sexualität, fremd sind.

Infolge dieses Unwissens entsteht eine philosophische Erzählung, weil all diese für uns scheinbar bekannten Dinge noch einmal erforscht und hinterfragt werden.

Ein Serienformat eröffnet mehr Raum für die Figuren, die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Geheimnisse hinter Tjaras Existenz tiefer zu erkunden

Das Animatic dokumentiert einen frühen Entwicklungsschritt dieses Herzensprojekts – und gibt einen ersten Einblick in seine erzählerische und visuelle Welt.

Für die Weiterentwicklung und mögliche Realisierung der achtteiligen Serie freue ich mich über den Austausch mit interessierten Produktionsfirmen und kreativen Partnern. Kontaktieren Sie mich hierzu gern.

Mitwirkende und Credits

FunktionMitwirkende
Idee, Drehbuch und StoffentwicklungBernd Schon
Zeichnung, Kolorierung, Animation und SchnittBernd Schon
Drehbuchberatung & MentoringStephan Falk
Vorgesehene Regie der geplanten RealverfilmungErica von Moeller
Stimme der TjaraNathalie Schuh
SounddesignGregor von Sivers
Verwendete SoftwareAdobe Photoshop, After Effects und Premiere

Weiterführend – Storyboard, Animatic und filmische Dramaturgie

Wie lassen sich Geschichten bereits vor dem Dreh in Kameraeinstellungen auflösen? Welche Bedeutung haben Bildkomposition, Blickachsen, Schnittregeln und Montage für die filmische Erzählung?

In meinem Beitrag »Storyboard: Definition, Beispiele und Anleitung« erläutere ich die Grundlagen visueller Filmgestaltung – vom gezeichneten Storyboard über klassische Filmgrammatik bis zur Planung KI-generierter Videos.


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